Dieses Pflichtdokument wird beim Hauskredit jetzt zum Türöffner für bessere Konditionen
Was als Formalie beim Erwerb eines Gebäudes begann, gewann in den letzten Jahren vermehrt an Bedeutung für den Immobilienwert und die Finanzierbarkeit des Objekts: der Energieausweis. Er bewertet die Energieeffizienz eines Gebäudes und ist seit mehreren Jahren verpflichtend beim Hauskauf vorzulegen. Lange galt er bei Baufinanzierern und Immobilienmaklern als lästiges Pflichtdokument, entscheidet mittlerweile jedoch zunehmend über die Zukunftsfähigkeit eines Objekts. Fand die Energieeffizienz vor einigen Jahren noch kaum Beachtung, so steht sie heute politisch und wirtschaftlich im Fokus.
Alte, unsanierte Häuser sind Risiko für die Bank
Die EU-Klimaziele haben die Entscheidungsfreiheit der Banken in der Kreditvergabe zur Immobilienfinanzierung zunehmend beeinflusst. Nachhaltigkeits- und Klimarisiken sind heute Aspekte der Kreditprüfung und gewinnen so an Bedeutung. Energetisch unsanierte Bestandsgebäude stellen für den Geldgeber und die Kreditvergabe ein größeres Risiko dar, da diese künftig einem direkten oder indirekten Sanierungszwang unterliegen könnten, dessen finanzielles Ausmaß schwerlich absehbar ist. Die Bonität des Kreditnehmers könnte darunter leiden. Immobilien mit einer geringen Energieeffizienz besitzen zudem einen minderen Wiederverkaufswert und stellen für das Kreditinstitut eine geringere Sicherheit dar. Da Banken darauf bedacht sind, Risiken in ihren Portfolios zu reduzieren, dürften die Kreditvergabe und -konditionen durch die Energieeffizienz zunehmend beeinflusst werden.
Energieausweis entscheidet über Höhe der Zinsen
Die Folgen für die Kreditvergabe sind vielseitig: Einige Kreditinstitute reagieren mit Zinsaufschlägen bei niedrigen Energieeffizienzklassen der Objekte. Nimmt ein Kreditnehmer ein Darlehen für solche Gebäude in Anspruch, kann er zudem oft mit strengeren Anforderungen an seine Bonität und die Höhe des aufzubringenden Eigenkapitals rechnen. Immer häufiger werden von Banken Sanierungskonzepte und Nachweise für einen zukünftigen Energieeffizienzstandard eingefordert.
Finanzierungsvorteile für energieeffiziente Gebäude
Wie wichtig die energetischen Grundlagen eines Finanzierungsobjekts für die Banken sind, zeigt sich in den Anreizen, die sie selbst als Gläubiger für den Erwerb oder die Sanierung besonders energieeffizienter Gebäude schaffen: Hausintern locken sie mit besseren Konditionen, wenn nach dem Kauf und einer anschließenden Sanierung eine besonders gute Effizienzklasse nachgewiesen werden kann.
Für den Kreditnehmer lassen sich energetische Sanierungsmaßnahmen zudem durch staatlich geförderte Kredite mitfinanzieren, die attraktive Zinssätze und teilweise Tilgungszuschüsse bieten. Diese Förderkredite können die Eigenkapitalquote erhöhen und das Kreditvolumen bei der Hausbank verringern. So entsteht auch für den Kreditnehmer durch Energieeffizienz ein zusätzlicher Mehrwert.
Energieeffizienz als zukunftsweisender Kaufanreiz
Für Kauf- und Bauinteressenten wird eines deutlich: Die Energieeffizienz von Gebäuden übt weiterhin und zunehmend Einfluss auf die Finanzierbarkeit aus. Unbestritten steigen die Betriebskosten für energetisch ineffiziente Gebäude – sei es durch CO2-Besteuerung oder krisenbedingte Entwicklungen. Spätere energetische Sanierungsmaßnahmen stellen einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, der mit bedacht werden muss. Kreditkonditionen verschlechtern oder verbessern sich je nach Energieeffizienzklasse des Objekts, sodass sowohl für den Kreditnehmer als auch die Banken die Energieeffizienz des Gebäudeobjekts von Bedeutung ist. Immobilien mit geringer Energieeffizienz kommen den Käufer oder Bauherrn langfristig teuer zu stehen, ihre Finanzierung erscheint zunehmend problematisch.
Finanzierbarkeit durch Energieeffizienz
Wenn auch der energetische Aspekt im heutigen Finanzierungsprozess nicht oberste Priorität besitzt und nur eine von vielen Stellschrauben darstellt, die die Finanzierung beeinflussen, so findet er doch zunehmend Beachtung. Energetische Bau- und Sanierungsvorhaben werden von staatlicher Seite gefördert, Darlehen für energieeffiziente Kauf- oder Bauobjekte von Banken mit günstigeren Konditionen versehen. So erleichtert die Energieeffizienz der Objekte ihre Finanzierung. Die Relevanz der Energieeffizienz für die Kreditvergabe wird weiterwachsen. Kaufinteressenten sollten daher frühzeitig den energetischen Ist-Zustand eines Objekts berücksichtigen und Sanierungskosten möglichst realistisch einplanen. Nur so können bestmögliche Kreditkonditionen erzielt und die Finanzierung gesichert werden.